Willkommen im Informationszeitalter!
Zensursula hat ihr Ding durchgezogen, sie wäre ohne Gesichtsverlust auch nicht heil aus der Sache rausgekommen – und das noch vor der Wahl: undenkbar. Nun war die CDU noch nie mein Ding, zu nah an Law & Order Phantasien vom Typ Löwenthal, Dregger und Schäuble, bleibt also ein wenig Grimm, besser: Wehmut, über eine abgehalfterte SPD zurück, eine zahnlose, zänkische alte Dame ohne Vision, Profil und Charisma. Eine Partei ohne erkennbare Zivilcourage und Persönlichkeiten des 21. Jahrhunderts.
Stichwort 21. Jahrhundert – für mich markieren die aktuellen Ereignisse (nicht nur) in Deutschland und im Iran primär den Übergang vom 20. ins 21. Jahrhundert, vom Industrie- ins Informationszeitalter, On- und Offline, Kommunikationszeitalter, Kondratieff … you name it. Wie es euch gefällt! Ein instabuler Phasenübergang, der – analog zu den dissipativen Strukturen eines Ilya Prigogyne – zum Zusammenbruch des Systems, oder einer Stabilisierung auf einer höheren Komplexitäts- und Entwicklungsstufe führt.
Gesellschaften müssen sich dabei im Spannungsfeld zwischen Tribalisierung und Vernetzung neu einpendeln und positionieren, Tribes und Netzwerke sind die gegenüberliegenden Antipoden – und wie bei Extremen so üblich, in Wirklichkeit eng miteinander verknüpft. Plakativer ausgedrückt: Die einen suchen ihr Glück in der Verklärung der Vergangenheit und stammesähnlichen Strukturen, digital natives neigen eher zur sozialen Netzwerken. Was in meinen Augen als Zukunftskonzept unterhaltsamer, weltoffener und tragfähiger ist. Win-win, so oder so -die Einschläge rücken näher (dumpfer Trommelwirbelm pathetischer Abgang, Schnitt!).
Aber der Ansicht sind nicht alle. Am wenigsten die grossen Player in der Politik und Wirtschaft. Ist ja auch nicht verwunderlich, denn NATÜRLICH untergräbt das Nez die Macht der Mächtigen, SELBSTVERSTÄNDLICH werden die Karten neu gemischt. Deshalb wird noch ganz andere Kämpfe um Zunkunft, Einfluss, Bürgerrechte geben, Verteilungskämpfe, Reviergehabe, Platzhirsch-Syndrom, bäng!
Womit wir wieder bei Zensursula wären. Es ist ein Phyrrussieg, der die zwei grossen Parteien viel Sympathie und etliche Stimmen kosten wird. Atomisiert die Parteienladnschaft weiter. Kriegen sie aber erstmal nicht mit. Lassen sich zwar tägliche “das Wichtigste aus dem Internet ausdrucken” (Ex-Wirtschaftsminister Glos), haben aber keine Ahnung davon. Und genau da liegt der Graben, die Verwerfung und der Hund begraben.
Läuten wir lieber das Sommerloch 2009 ein!
Zum Thema:
Handelsblatt “Weshalb die Diskussion um Internet-Sperren Deutschlands Politikern (und dem Allensbach-Institut) Angst machen sollte” (danke, Tweel vilsrip)
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