Endlich Schulkind

- Image by six steps via Flickr
Seit langem hat mich ein (Bildungs)Blog nicht nicht mehr so berührt, wie “Endlich Schulkind“. Darin geht um einen cleveren, hochbegabten Erstklässler, der im deutschen Schulsystem zerrieben wird. Eingekerkert im erdrückenden Mittelmaß, daß für Ausnahmen nichts übrig hat, dafür aber um so mehr auf pflegeleichte Standards setzt, soziale Anpassung und Druck, Druck, Druck.
Je mehr ich in die Niederungen dieses Systems eintauche, desto weniger halte ich es für reformierbar. Ein einziges JA, ABER steht im Raum wenn es um Spielräume geht, ein (nicht immer nur unausgesprochenes) DAS HABEN WIR NOCH NIE SO GEMACHT und ein fett beamtetes WO KÄMEN WIR DENN DA HIN, DA KÖNNTE JA JEDER KOMMEN.
Bisweilen kommt es mir so vor, als würden Menschen nicht begreifen, was ausserhalb ihrer Stadtmauern vor sich geht (ja, es gibt tatsächlich noch andere Kontinente als Europa und andere Staten als Deutschland), so lange sie ein regelmässiges Gehalt beziehen. “Wieso, es läuft doch alles …”!
Von der Unvereinbarkeit des Zusammenpralls, wenn das komplizierteste Stück Materie des Universums, das menschliche Gehirn, mit der bräsigen Stupidität einer gepamperten und zudem noch bundeslandspezifischen Kultusbürokratie zusammenstößt, ganz zu schweigen.
Ausnahmen gibt es überall
Ohne alles in einen Topf zu werfen, Ausnahmen gibt es überall und meiner Hochachtung vor eben diesen, gleichwohl: sie machen uns zu den Indern von morgen! Und wir haben es nicht besser verdient, denn wir lassen es uns gefallen! Heute abend findet in Heidelberg eine Veranstaltung statt, vom hiesigen CDU-Wirtschaftsforum gesponsert, mit dem bezeichnenden Titel “Kann Deutschland zur Bildungsrepublik werden?
Man braucht erst gar nicht hinzugehen, denn die Antwort steht schon fest und lautet NEIN! In Stein gemeißelt! Zug durch, längst verpasst und das Problem sind nicht zuletzt die Veranstalter, nämlich die Parteien. Tausche 13. Schuljahr gegen Mehrwertsteuer-Erhöhung. Personifiziert in Personen wie Schavan und wie sie alle heisen. Grottiges Mittelmaß und Sie sehen: ich echauffiere mich!
Ansonsten: organisierte Verantwortungslosigkeit
Jahrhunderte lang hat Europa solche Evolutionsprobleme recht simpel gelöst: Keine Generation ohne Krieg. Das ist selbstredend keine Lösung und ich bin eh nicht der Typ, um morgens ab 4.45 zurück zu schiessen. Aber jetzt, ohne einen kollektiven RESET haben wir das Problem einer (parteipolitischen) Erbfolgemonarchie – und wohin das führt, kann man nicht nur in Köln beobachten: organisierte Verantwortungslosigkeit.
Zurück auf Start
Die alten Hebräer lösten diese Problematik alle 49 Jahre (Jubeljahre) mit einem organisierten Zurück Auf Start. Sklaven frei lassen, Geld entwerten, Land neu verteilen, Ämter neu vergeben. Wir sollten von ihnen lernen. Aber wir werden es nicht. Dafür werden wir älter. Und ich befürchte: noch ängstlicher und noch verkalkter. Und am anderen Ende der Welt geht die Sonne auf und jemand sattelt sein Pferd und reitet in den Sonnenaufgang. Leider kein cleverer, hochbegabter Erstklässler aus Germany.
Und wo bleibt das Gute?
Ja, wo bleibt es denn?
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