
Image by lutzland via Flickr
Vor einigen Tagen habe ich hier eine interessante Definition von Bildung hier gepostet, von Martin Lindner zusammengefaßt, die sich auf eine der Videobotschaften von, nein, nicht Osama Bin Laden, sondern von Jeanpol Martin bezog und da lautete:
“Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, um mit einströmenden Daten gelassen umgehen zu können, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten.”
Lazy Sunday?
Und heute morgen/mittag schickt mir JPM folgenden Tweet “@lutzland ich bilde mir ein, dass hier ein neues format ensteht: kollektive erstellung einer definition im blog: http://tinyurl.com/yz8t6fw”
Und tatsächlich, wieder einmal schwärmen die Bildungsbürger (man könnte auch sagen “die üblichen Verdächtigen”) aus und es kommt zu einer kollektiven Wissensbildung, deren nächste Stationen in besagtem Thread wie folgt lauten:
2. Herr Larbig empfiehlt mir am 28. Februar 2010 um 04:25, die Handlungsrelevanz der Konzepte stärker zu betonen. Also: Neuester Stand der Definition von Bildung:
“Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, die erlauben, mit einströmenden Daten gelassen umzugehen, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten. Die neuerstellten Konzepte ermöglichen die Planung und Durchführung von weiteren Handlungen.”
3. Adi Kreft vermisst am 28. Februar 2010 um 09:40 das explorative Element in der Definition.
Also: “Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, die erlauben, mit einströmenden Daten gelassen umzugehen, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten. Die neuerstellten Konzepte ermöglichen die Planung und Durchführung von weiteren Handlungen. Sie schaffen die Sicherheit, die notwendig ist, um unbekannte Felder zu betreten, in denen neues Wissen generiert wird.“
Flach spielen, hoch gewinnen
Und so geht es munter weiter, Martin Lindner flankt den Ball zurück, weit über die Mittellinie und tief in den gegnerischen Strafraum, wo @apanat ihn souverän verwandelt:
“Bleibt freilich noch das Lob der konzeptlosen Datenverarbeitung im Gegensatz zur konzeptgesteuerten und die bange Frage: Wird nicht alles schlechter, wenn ein Konzept da ist? Oder ist das die Voraussetzung zum Handeln? (Immer mit Goethes Wort im Ohr: “Der Handelnde ist immer gewissenlos, es hat niemand Gewissen als der Betrachtende.”)
Tja, eine gute Frage, aber es bleibt kaum Zeit zum Nachdenken, denn auf der Lernspielwiese wird die Diskussion spontan aufgegriffen und weitergesponnen: ” … Bildung ist (für mich) eine geistige Haltung. Die Haltung, alles was ich wahrnehme/mit was ich konfrontiert bin oder mit dem ich mich konfrontiere zunächst einmal anzunehmen, mir Alternativen zu meiner (spontanen) Interpretation dieser auszudenken und mir auch Alternativen (durch einen Perspektivwechsel) von der Wahrnehmung selbst zu beschaffen. Dazu brauche ich andere Menschen, die ich zum Dank an der einen oder anderen Alternativ-Interpretation teilhaben lasse. …”
Aktueller Spielstand
Doch zurück zu JPMartin, dort hadert Herr Larbig mit dem aktuellen Stand (“Ich bin mit dieser Definition von Bildung als Konzeptbildung nicht ganz einverstanden. Das kann natürlich an meinem Verstehen deines Beitrages liegen …”) und greift den Ball erneut auf und dribbelt Richtung Tor. Das macht er mit theoretischem Tiefgang, so daß JPM nicht anders kann als zu kontern “… Genauso sehe ich es auch. Vielen Dank für den Hinweis, ich werde meinen Blogbeitrag entsprechend ergänzen.“
Aber es kommt keine Ruhe ins Spiel, Adi Kraft wirft wirft berechtigten Ecke ein “Und wo bleibt die Bildung durch TRY FAIL LEARN als Schleife? Wie will ich Erstbesteigung von 8000-ern erreichen, wenn ich neben Konzepten (ja) zusätzlich situatives Handeln brauche?”
Ja, wo bleibt sie nur? JPM: “Das ist doch in der definition drinnen: du begehst unbekannte felder und in diesen schaffst du neue konzepte. Schau hier: http://jeanpol.wordpress.com/2009/04/22/konzeptualisieren-und-personalisieren/
Darauf Adi Kreft, am 28. Februar 2010 um 09:55 “@jean mein kommentar bezog sich auf dein video. deinem hinweis stimme ich vollkommen zu. sorry, daß ich es übersehen habe…. Und keine zwei Minuten später feuert das bekannte BildungsNeuron jean-pol martin, zurück: “@Adi No problem! Wenn du es übersehen hast, dann wird es auch für andere der Fall sein. Daher: danke für den Tipp!” Das nenn ich
Kommentarkultur!
Und die Diskusion geht weiter, Oberkybernetiker Filterraum meldet sich zu Wort und stellt sich im Kreis auf: “hier sollte es aber vermutlich um Den bildungsbegriff hinsichtlich des prozesses des menschwerdens gehen. oder geht es um eine allgemeine definition des bildungsbegriffs? wie auch immer, nach dem ich mir zum wiederholten mal den begriff “bildung” und “konzept” in der wikipedia angeschaut habe, ohne nennenswerte neue erkenntnisse zu erlangen, schaute ich mir mal die von jeanpol angesprochene differenzierung von konzeptgesteuerter informationsverarbeitung vers. daten gesteuerter informationsverarbeitung etwas genauer an …”
Bildungsraum Internet
So geht es also Sonntag Mittag im Bildungsraum Internet zu, es wird gelernt und kollektiv konstruiert auf Tefel komm raus, ich verabschiede mich jetzt mal für ein paar Minuten und gehe eine Runde spazieren, ein sinniges Sturmtief fegt gerade über Deutschland hinweg, sorgt buchstäblich für frischen Wind (in der Bildungsdiskussion) und steht für die Tatsache, daß nichts eine idee aufhalten kann, deren Zeit gekommen ist:
Stay tuned!
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