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lesen in der wolke – samstag abend

27. Februar 2010
New Media Equity
Image by lutzland via Flickr

Was ist Forschung? Gute Frage! Stellt sich mir immer wieder. Im Rahmen von Lernen und energy medicine. Heute mitgelesen: Ein Etherpad von Martin Lindner und der Twitter-Buzz darum:

(das ist nur so hingeworfen, ohne jeden bezug auf alles, was es dazu schon gibt. also bitte verbessern. die idee war, eine kriterienliste zu bekommen, die ich anlegen kann an wissenschaften/paradigmen, die mir zweifelhaft erscheinen.)Link zur ausgekoppelten Twitter-Diskussion als kontext hier: http://www.google.com/buzz/martin.lindner/PY81BNQ2SMJ/das-hier-von-grad-eben-ist-ein-gutes-beispiel-wie

Was ist Wissenschaft?

Menschen in sozialen Sonderräumen (de facto: Universitäten, Forschungsinstitute) beschreiben in abstrakt-diskursiver Schriftsprache Phänomene und Praktiken, die in der Welt / im Leben auftreten. Sie erzeugen aus einfachen Bausteinen ein künstliches Modell für die erfahrene Komplexität der Welt und des Lebens.

Und zwar so, dass ein “Gebäude” entsteht: Anschlusspunkte, die es ermöglichen, dass sich Teilnehmer am Diskurs aufeinander beziehen können, so dass insgesamt die Differenzierung und Reichweite des Modells, und damit idealer Weise seine “Wahrheit”, zunimmt … weiter im Original >>

Und weiter gehts mit Meditaionen über Mikrotexte, ganz frisch ist “Cloudwriting: Schreiben in der Wolke” von Martin Lindner, ein Auszug:

Schreiben in der Wolke, das ist ein Wechsel des Aggregatzustands: Keine Lettern mehr, die Zeichen ins Papier pressen. Keine Schreibmaschine, kein Linotype. Keine rasenden Rotationsmaschinen mehr, die ganze Seiten flüchtig auf Papierrollen drücken. Nicht einmal mehr Photokopierer, die heißen Toner aufs Papier hauchen. Eine unabsehbare globale Wolke aus immer kleineren digitalen Textstücke, die immer schneller zirkulieren, durch die Grenzen der indviduellen Bewusstseine hindurch. Ein intellektueller Klimawandel: Der Golfstrom verlagert sich, Gletscher schmelzen, Wüsten breiten sich aus, Katastrophen nehmen zu. Kreaturen werden aus dem gewohnten Lebensraum vertrieben.

Schreiben im Web hat nichts mehr zu tun mit Büchern, Aufsätzen, mit virtuellem Papier. Das sind Phantome, die wir als Hilfskonstruktionen mitschleifen. Unwillkürlich betrachten wir zum Beispiel Blogs immer noch als eine Abart des Tagebuchs, als eine defizitäre Form von richtigen, fertigen, redigierten, gedruckten, ordentlich veröffentlichten Texten. Aber in Wirklichkeit ist es genau andersherum: Virtuelle Papiertexte sind eine defizitäre Form von Webtexten. Wobei wir erst nur ahnen können, welche Strukturen sich gerade auszubilden im Begriff sind: Nach Gutenberg, nach Goethe, nach Schirrmacher.

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