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Jaron Lanier: Der digitale Maoismus am Ende! Wirklich?

16. Januar 2010
Photo of Jaron Lanier performing at the Garden...

Image via Wikipedia

Cyber-Pionier Jaron Lanier hat in den letzten Monaten weniger als Vordenker, vielmehr als weinerlicher Zeitgenosse Schlagzeilen gemacht. Und dort liess es der schwer beleidigte Intellektuelle und Vorzeigekreative in den letzten Monaten auch mächtig krachen.

Tiefschürfendes wie “ich sage nicht, dass das Internet per se schlecht ist folgte auf scharfsinnige Analysen (“es gibt sehr viele positive Aspekte“) und gipfelte in Elitarismen wie (nochmal ein Zitat aus der SZ):

“Die ,,Weisheit der Masse‘‘ könnte nur dann funktionieren, wenn das Internet dazu genutzt würde, die in der Masse durchaus existierenden wenigen Weisen zu lokalisieren, sie zur Kooperation zu bewegen – und ein gutes Geschäft zu machen.”

Wenige Weise machen gute Geschäfte

“Wenige Weise” machen untereinander “gute Geschäfte” – wie geil ist das denn? Ist das nicht die Wirtschaftsform der letzen 150 Jahre? Während “die Masse” für Lanier “eigentlich nur dazu taugt, Kalkulationen schneller durchzuführen oder den Marktpreis festzulegen“.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Meinungsfreiheit als “digitaler Maoismus”. Tosender Applaus von China bis Iran, von Bush bis Rumsfeld. Kein Wunder, daß seine Thesen, ziemlich zeitverzögert, auch das FAZ.net. erreichen:

Sind Sie von den Geeks tiefer enttäuscht als vom Markt?
Die neue Geek-Religion, in der das Internet ein lebender Organismus ist und als vermeintliches Wesen angebetet wird, kann einen schon sehr enttäuschen. Der Markt hingegen funktioniert ja in gewisser Weise. Wenn es nach ihm ginge, wäre Twitter, wäre Facebook, wäre all das Zeug, das ich nicht mag, Vergangenheit. Die Ideologie überstimmt da den Markt …”

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Ideologie überstimmt den Markt. Mars schwimmt auch in Milch! Der Markt, der nach wie vor von wenigen Playern dominiert wird und den Steuerzahler (die “Masse”), Stichwort Bankenkrise, Billionen kostet, der Länder wie Griechenland, Spanien und Italien in einen absehbaren Staatsbankrott treibt und ganze Kontinente (Afrika) in seine Abwärtsspirale zieht, jaja der Markt, der Markt. In disco vobiscum!

Wohlgemerkt: Nichts gegen Marktwirtschaft! Im Gegenteil, her damit! Aber bitte ohne Subventionen, verdeckte Querfinanzierungen, Korruption, Preisabsprachen, Kartelle usw. – Cluetrain lässt grüßen!

Starke Sache! Während Herr Lanier eher eine schwache Phase hat. Oder angesichts der vielen klugen Köpfe inzwischen eher kleingeistig daher kommt. Aber das macht nichts, er kann ja bloggen … und dabei bracht man ja (in his own words) nicht weiter nachzudenken.

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